Sehr geehrter Herr Birkenkamp,
wir kommen zurück auf unseren Antrag vom 19. Mai 2008
Bereits im in Kürze wird die Feuer- und Rettungswache in das neue Gebäude am Voisweg umgezogen sein. Dann werden das Gelände zwischen Lintorfer- und Friedhofstraße für die Zeit der Rathaussanierung für Teile der Verwaltung ca. 3 Jahre zwischengenutzt werden.
Diese Zeit sollte genutzt werden, um ein neues Nutzungskonzept für das innenstadtnahe Gelände zu erarbeiten und eine entsprechende Ausschreibung zur zweckgebundenen Vergabe vorzubereiten.
Nach den Erfahrungen bei anderen Projekten wie Parkhaus Kirchgasse oder Marktplatz 17 - 20 nehmen sorgfältige Vorbereitungen im Zusammenhang erhebliche Zeit in Anspruch.
Ein paralleles Verfahren während der Zwischennutzung ist daher angezeigt.
Derzeit muss aus Gründen der Rechtssicherheit noch davon ausgegangen werden, dass das Verfahren europaweit ausgeschrieben werden muss.
Beschlussvorschlag:
Für das Gelände der ehemaligen Feuer- und Rettungswache ist parallel zur Zwischennutzung ein Nutzungskonzept mit dem Ziel „Mehrgenerationenwohnen" zu erarbeiten und die Ausschreibung mit diesem Ziel nach der Rathaussanierung umgehende durchzuführen.
Inhaltlich orientiert sich das Konzept an der Idee des nachhaltigen Mehrgenerationenwohnens.
Begründung:
Das innenstadtnahe Gelände bietet eine einzigartige Chance, urbanes Wohnen in einem zukunftsweisenden, nachhaltigen Konzept zu verwirklichen, das den geänderten Anforderungen durch den demografischen Wandel Rechnung trägt.
Der demografische Wandel und die sich ändernden Lebens- und Arbeitsbedingungen bringen große gesellschaftliche Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich. Väter und Mütter müssen zu viel allein stemmen. Da Kinder, Eltern und Großeltern oft nicht an einem Ort leben, fehlt es an familiärem Zusammenhalt und Unterstützung. Gleichzeitig hat die wachsende Zahl Älterer nur noch wenig Gelegenheit, in Kontakt mit Jüngeren zu treten. Folglich besteht die Gefahr einer Isolation der einzelnen Generationen.
Mehrgenerationenhäuser sind Orte, an denen das Prinzip der Großfamilie in moderner Form gelebt werden kann, wo sich Menschen aller Generationen ganz selbstverständlich im Alltag begegnen, voneinander lernen und sich unterstützen. An diesem Ort finden Eltern Hilfe, lernen Kinder von anderen Menschen Zuwendung und Aufmerksamkeit, bringen ältere Menschen ihre vielfältigen Kompetenzen und Erfahrungen ein.
Angebote eines Mehrgenerationenhauses sind u.a.:
Gemeinsamer Mittagstisch für Senioren und Kinder der Hortgruppe
Frühstückstreff für alle
Abendtreff für alle mit Spielgruppen
Lernbetreuung für Kinder und Jugendliche durch Seniorenpaten
Einkaufsorganisation und Dienstleistungsangebote
Freizeitgruppen im Werkstättenbereich mit Senioren-Handwerkern
Sprachförderung für kleinere Kinder wie auch für ihre Eltern
Nachtcafe, wo nachaktive Demenzkranke gemeinsame Zeit verbringen
Fahrdienst für Senioren
Dieses Mehrgenerationenprinzip kann jederzeit durch Module des Betreuten Wohnens, der Alten-, Pflege- und Palliativversorgung- ggf. in Kooperation mit nahegelegenen bestehenden Einrichtungen wie St. Marien ergänzt werden.
Träger dieser Häuser sind in der Regel erfahrende Einrichtungen der Sozialdienste von z.B. Diakonie, Caritas, SkF oder medizinischen Pflegeeinrichtungen.
Die in der Bundesrepublik bereits bestehenden mehr als 500 Mehrgenerationenhäuser gelten unter Experten als ausgesprochene Erfolgsmodelle.