Die Entscheidung über die Oberflächengestaltung der Bechemer Straße ist Chance und Verpflichtung für mehrere Generationen.
Benutzerfreundlichkeit und optische Ausstrahlung der letzten zu gestaltenden Straße bestimmen den Charakter des einmaligen historischen Altstadtkerns unserer Stadt.
Bereits aus dem CIMA-Gutachten für die Innenstadt wissen wir, dass aus Sicht der Ratinger Bürger das Erscheinungsbild der Fußgängerzone (direkt nach der Anzahl der Parkplätze) den zweiten Platz im Ranking der Aspekte der Stadtattraktivität hat. Bei den städtebaulichen Gestaltungsvorschlägen wird dort u.a. das uneinheitliche und z.T. stark veraltete Straßenpflaster der Fußgängerzone bemängelt. Konkret für die Bechemer Straße wird angeregt, den Straßenraum aufzuwerten durch „Ausbildung der Beleuchtungselemente und Anpassung bzw. Neugestaltung der Pflasterung".
Der bisherige Vorschlag wird der gestalterischen Einheit der Fußgängerzone ebenso wenig gerecht wie qualitativen Anforderungen, die z.B. aus der Gestaltungssatzung oder Werbesatzung für jeden Bürger der Stadt resultieren.
Die Bechemer Straße liegt im Bereich der Erhaltungssatzung und grenzt direkt an den Marktplatz. Während Hauseigentümer und Geschäfte zu Recht Mehraufwendungen für hochwertige Ausführungen von Fassaden, Fenstern und Werbeanlagen in Kauf nehmen müssen, schlägt die Verwaltung eine Mischung aus beschichteten Betonplatten in unterschiedlichen Grautönen mit gelblichem Sandstein-Pflaster vor. Dies entspricht schon im Farbspiel in keiner Weise unserer historischen Stadt und bedeutet gestalterisch einen harten Bruch bei der Anbindung an den Marktplatz.
Quer zur Laufrichtung liegende Pflasterbänder entsprechen nicht dem historischen Vorbild und sind für Rollstuhl- und Rollatornutzer ungünstig.
Es ist für uns nicht nachvollziehbar, dass die vorgestellte Mischvariante einvernehmlich mit dem Denkmalschutz abgestimmt sein soll.
Die CDU-Fraktion greift daher den Vorschlag des Heimatsverein Ratinger Jonges e.V. gerne auf und schlägt einen behindertengerechten Ausbau mit dem in den übrigen Straßen verwendeten heimischen Ruhrsandstein vor. Allerdings sollen ausschließlich glatte (geschnittene) Platten Verwendung finden. Damit entfällt für gehbehinderte Menschen der Nachteil von bruchrauhen Steinen wie auf der Oberstraße und der Düsseldorfer Straße. Lediglich zur Andeutung eines historischen „Rinnsteines" und zur Längsorientierung sehbehinderter Menschen sollten zwei längs verlaufende Pflasterstreifen (ebenfalls mit gesägter Oberfläche, aber seitlich bruchrauh, oberflächenplan verfugt) verlaufen. Im mittleren „Fahrgassenbereich" könnten Platten z.B. von ca. 12 x 12 cm, im seitlichen „Bürgersteigbereich" von z.B. ca. 30 x 20 cm ähnlich wie der Bestand fugenlos verlegt werden.
Die verständliche Sorge von Behindertenverbänden, dass die Betonplatte glatt, der Sandstein hingegen rubbelig sei, ist mit diesem Vorschlag vollständig ausgeräumt.
Im Ergebnis wird eine einheitliche Materialverwendung in der Fußgängerzone mit einer äußerst benutzerfreundlichen, glatten, aber rutschfesten Oberfläche kombiniert, die gleichzeitig gestalterisch den Ansprüchen an unsere historischen Altstadt noch gerecht wird.
Der „Lack" der Anti-Schmutz-Beschichtung des Betonsteins wird nach einigen Jahren ab sein. Das gilt besonders unter der mechanischen Belastung der Stahlbürsten der täglichen Kehrmaschinenreinigung.
Das Material wird insbesondere im Kanten-/Fugenbereich abfasen, da es eine geringere Festigkeit als der Ruhrsandstein aufweist. Entgegen der landläufigen Meinung ist die Bruchfestigkeit bei Betonstein (ca. 60 N/mm²) wesentlich schlechter als bei Ruhrsandstein (ca. 140 N/mm²), so dass ein schnellerer Verschleiß auf der Hand liegt. Natursandstein ist daher auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und Lebensdauer zu bevorzugen.
Die Gesamtkosten des Projektes Bechemer Strasse betragen ca. EUR 1,7 Mio. EUR brutto zzgl. der von den Stadtwerken direkt vergebenen Gewerke (ca. T-EUR 580 netto) und der Kosten für die Beleuchtungserneuerung (T-EUR 90 brutto), also insgesamt ca. EUR 2,4 Mio.
Die von der Verwaltung genannten Mehrkosten für den hochwertigen Naturstein erscheinen nach unseren eigenen Recherchen überhöht. Tatsächlich ist nach unseren detaillierten Informationen ein Mehraufwand auf ca. T-EUR 125 zu erwarten. (2500 qm x ca. 50 EUR/m²). Davon entfällt ein noch zu bestimmender Teil auf die Stadtwerke. Es liegt eine Kostenerhöhung von nur rd. 5% bezogen auf die Gesamtmaßnahme vor. Dies sollte uns unsere historische Altstadt Wert sein! Über die Aufstockung der Finanzmittel von derzeit T-EUR 638 ist im Haushalt 2008 zu entscheiden.
Mit einer vorausschauenden Entscheidung für die allseits anerkannte Perle unserer Altstadt verbinden wir mit der Verwendung geschnittener Naturstein-Platten folgende Vorteile:
eine glatte, rollstuhl- und rollatorgerechte Oberfläche auch im mittleren Fahrgassenbereich,
ein dem Bestand und der historischen Situation unserer Stadt gerecht werdende Gestaltung,
eine wesentlich längere Lebensdauer des Materials
bei einem im Verhältnis zur Gesamtmaßnahme erträglichen Mehraufwand.
Wir beantragen daher
Die weiteren Planungen auf der Grundlage von Ruhrsandstein-Platten (kein bruchrauhes Kopfsteinpflaster) fortzuführen.
Die Akquisition von Städtebauföderungsmitteln oder Zuschüsse im Denkmalbereich zu prüfen.
Mit freundlichen Grüßen
Erhard Schneider
Stellvertretender Vorsitzender
Gerold Fahr
Stellvertretender Vorsitzender